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Vorwort

Elternschaft und homosexuelle Lebensweisen waren lange Zeit für weite Teile der Gesellschaft, einschließlich der Homosexuellen selbst, kaum vorstellbar. So kommen bis heute sogenannte Regenbogenfamilien in den mehrheitlich geteilten Familienbildern in Gesellschaft, Recht und Wissenschaft kaum vor.

In Deutschland wachsen derzeit Hunderttausende Kinder bei ihren lesbischen (Co)Müttern und schwulen (Co)Vätern auf. Informationen über aktuelle rechtliche und strukturelle Möglichkeiten können im selbstbewussten Umgang mit der eigenen Familienwirklichkeit ebenso hilfreich sein, wie der Austausch über individuelle Erfahrungen und die eigene Handhabung alltäglicher Herausforderungen.

Am 04. und 05. Dezember 2004 wurde vom LSVD zum vierten Mal ein bundesweites Familienseminar ausgerichtet. Unter dem Motto „Familien unter dem Regenbogen“ diente das Familienseminar als Forum für Regenbogenfamilien und solche, die es werden wollen. 40 Kinder und Jugendliche und 100 lesbische (Co)Mütter, schwule (Co)Väter sowie Lesben und Schwule, die über Familiengründung nachdenken, folgten der Einladung des LSVD zum Heiligenhof in Bad Kissingen. Sie reisten aus elf Bundesländern nach Bayern, um sich ein Wochenende lang zu informieren, auszutauschen und zu vernetzen.

Das Seminar präsentierte zentrale Elemente der familiären und gesellschaftlichen Wirklichkeit von Regenbogenfamilien in einem Spektrum von Vorträgen, Arbeitsgruppen und Austauschforen.

Mittels der vorliegenden Kurzdokumentation können Sie durch die zusammengestellten Handouts, Blitzlichter sowie Ergebnisprotokolle der Arbeitsgruppen einen Einblick in die Brennpunkte des vierten Familienseminars des LSVD erhalten.

Antje Ferchau, Mitglied des LSVD-Bundesvorstands und Fachbeauftragte für Regenbogenfamilien, stimmte am Freitagabend die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf das kommende Wochenende ein und verortete die Themen der Vorträge und Arbeitsgruppen in der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Landschaft (siehe 1).

Zum ersten Mal war die Beschäftigung der Medien selbst mit lesbischen Müttern, schwulen Vätern und ihren Kindern Thema einer solchen Veranstaltung. Valentin Thurn, freier Journalist aus Köln, der 2003 für seine ZDF-Produktion „37 Grad: Papa liebt einen Mann – Kinder und ihre homosexuellen Väter“ den Felix-Rexhausen-Preis des Bundes lesbischer und schwuler Journalist(inn)en (BLSJ) erhalten hat, eröffnete das Familienseminar mit einem Vortrag, in dessen Zentrum die Produktion und das Echo seiner Filme über Regenbogenfamilien stand. Neben der besagten ZDF-Produktion hat Herr Thurn 2001 einen Beitrag für die ARD über lesbische Mütter produziert mit dem Titel „Zwei Mamas und kein Papa – wenn lesbische Kinderwünsche wahr werden“. In der vorliegenden Dokumentation findet sich eine kurze Schilderung zu Motivation, Produktion und Echo seiner beiden Beiträge (siehe 2).

Ein zweiter Vortrag widmete sich speziell den kindschaftsrechtlichen Regelungen im Kontext der Lebenspartnerschaft. Dr. Mareike Dittberner sprach am Sonntag hier über „Rechtliches im Spiegel von Gesetz und Urteil“. Dieser Beitrag kann aktualisiert und in voller Länge der ausführlichen Dokumentation zur LSVD-Veranstaltungsreihe "Regenbogenfamilien - Eine Familie ist eine Familie ist eine Familie" entnommen werden, die im Herbst 2005 erscheint. In der vorliegenden Kurzdokumentation gibt das Handout zum Vortrag einen Eindruck von der Bandbreite der referierten Themen (siehe Anlage).

Wie bereits auf der Fachtagung 2003 in Berlin wurde auch in diesem Familienseminar speziell für Jugendliche aus Regenbogenfamilien ein Rahmen angeboten, in dem sie sich kennenlernen und spielerisch mit aktuellen Themen beschäftigen konnten. Das spielerische Austauschforum „Ene, mene, miste, es rappelt in der Kiste …“ fand über das gesamte Wochenende parallel zu den Veranstaltungen des Seminars statt. Von insgesamt 40 ein- bis 15jährigen Kindern und Jugendlichen, die während des Seminars von pädagogischen Fachkräften betreut wurden, nutzen elf 8jährige und ältere Jugendliche das Austauschforum. Ein kurzer Bericht gibt Ihnen einen Einklick in die Themen und Ergebnisse der Gruppe (siehe 7).

Im Rahmen des Familienseminars wurden vier dreistündige Arbeitsgruppen angeboten, die sich mit Themen des Familienalltags (siehe 3 und 6), des Schulalltags (siehe 4) und der Wege der Familienplanung beschäftigten (siehe 5). Die vorliegenden Berichte geben einen gestrafften Einblick in die thematisierten Inhalte und zentralen Ergebnisse bzw. Empfehlungen der Gruppen.

Neben der Fülle an Informationen und einem themenzentrierten Austausch konnten die Teilnehmer/innen des LSVD Seminars ebenso wie die Teilnehmer/innen der parallel im Seminarhaus stattfindenden Familienseminare am Samstag verschiedene freizeitbezogene Angebote nutzen. Hier wurde u. a. neben der Vorführung der beiden Filme von Valentin Thurn eine begeistert besuchte Bilderbuch-Lesung und -Präsentation von Sonja Springer angeboten. „Was Phoebe auf dem Spielplatz erzählt“ und „In der neuen Schule“ sind Bilderbücher für 6 bis 9jährige, die bunt illustrierte Geschichten von Phoebe erzählen, einem Mädchen, das gemeinsam mit drei Geschwistern bei seinen beiden lesbischen Müttern aufwächst.

Ein ausführlicher Anhang mit Seminarprogramm und ausführlichen Literaturhinweisen zum Thema Regenbogenfamilien runden die vorliegende Dokumentation ab. Hier finden Sie darüber hinaus den Text des Liedes zum Thema Regenbogenfamilien, das die Jugendgruppe im Plenum des Familienseminars präsentierte.

Das Familienseminar „Familien unter dem Regenbogen“ wurde mit Unterstützung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des LSVD-Projektes „Regenbogenfamilien“ durchgeführt und veranstaltet.

Als Moderatorin des Familienseminars und Leiterin des Projektes Regenbogenfamilien wünsche ich Ihnen gemeinsam mit dem LSVD viel Freude beim Lesen.
Dr. Elke Jansen
 


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